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Schuler Auktionen AG - Sweerts, Michiel

Dezember 2019 (A155)

AKTUELL

3313. Sweerts, Michiel

Auktionsstart: Fr, 13. Dez 2019, 10:45


(Brüssel 1618–1664 Goa)
Selbstportrait, lesend. Öl auf Leinwand. Verso Etikett des Museums Boymans, Rotterdam sowie dem Kunsthaus Zürich. 35,5x30,2 cm.
- Geschnitten und doubliert, neuer Keilrahmen.

Provenienz:
- Dr. Reber, Lausanne, auf dem Londoner Kunstmarkt erworben.
- Manuel Gasser, Zürich (verst. 1979).
- Heinrich Keller, Winterthur (verst. 1984).
- Durch Erbschaft in heutigen Basler Privatbesitz.

Ausstellung:
- Kunsthaus, Zürich, Unbekannte Schönheit, bedeutende Werke aus 5 Jahrhunderten. Juni/Juli 1956, Nr. 252.
- Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam, Michiel Sweerts en zijn Tijdgenoten, 1958/9, Kat.-Nr. 45.
- Palazzo Venezia, Rom, Michiel Sweerts e i Bamboccianti, 1959, Nr. 46.

Literatur:
- Kultzen, Rolf. Michael Sweerts: 1624 – 1664, Diss., Hamburg 1954, Kat.-Nr. 70.
- Gasser, Manuel. Das Selbstbildnis, Gemälde grosser Meister. München 1979, S. 96-97.
- Kultzen, Rolf. Michael Sweerts. Brussels 1618 – Goa 1664. Gent 1996, Kat.-Nr. 91, Tafel 90, dort datiert in die Amsterdamer Jahre des Künstlers, um 1658.

Bei diesem jüngst in einer Basler Privatsammlung wiederentdeckten Gemälde, welches seit der Ausstellung von 1959 in Rom nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich war, handelt es sich um ein qualitativ hochstehendes und intimes Selbstportrait, das die charakteristischen Merkmale des Malers, wie die stille Pose der Figur, die fast spirituelle Stimmung der Konzentration und die meisterhafte Beherrschung von Farbgebung und Lichteffekten aufzeigt.
Das Gemälde erschien erstmals in den 1950er Jahren, wahrscheinlich bei Christie's in London, wo es von Dr. Reber, Lausanne, erworben wurde, wohl als ein Werk von Vermeer. Es ging später an den Zürcher Journalisten Manuel Gasser über, wo es von Rolf Kultzen gesehen wurde, der es als ein Werk von Sweerts erkannte. Kultzen nahm es in seine Dissertation auf und zeigte auf, wie die später hinzugefügten Initialen V.M. anlässlich einer Restaurierung in Winterthur wieder entfernt wurden.

Es ist anzunehmen, dass Kultzen das Gemälde nie nach der Reinigung gesehen hat, da er in seiner Dissertation ausgiebig aus einem Brief des Eigentümers zitiert, der die speziellen Farbtöne von Grau, Braun und Blau beschreibt.
In der Tat ist das Gemälde eine schöne Symphonie aus subtilen Tönen von Blau, Beigegrau und warmem Rot, wobei die Atmosphäre tiefer Konzentration durch das von oben einfallende Licht verstärkt wird. Während die Figuren in Sweerts Gemälden meist von Isolation geprägt sind, nimmt diese hier durch das Darstellen seiner selbst zusätzlich eine persönliche Note an.
Während Kultzen das Gemälde in die Amsterdamer Jahre des Künstlers datiert und dieses mit der bevorstehenden Mitgliedschaft in der Société des missions étrangères in Verbindung bringt, spricht die grobe Struktur der Leinwand eher für eine Entstehung in Rom. Ein ähnlicher junger Mann ist dargestellt in «das Atelier eines Malers», um 1646/50, heute im Rijksmuseum und «Im Atelier» von 1652, heute im Detroit Institute of Arts. Im Detroiter Gemälde steht rechts im Bild ein Mann mit einer blauen Bluse. Auch zeichnen sich in beiden Werken die Figuren durch rötliches Inkarnat aus.

Die koloristischen Qualitäten von Sweerts wurden oft mit denen von Johannes Vermeer in Verbindung gebracht, wobei Sweerts Kunst als Vorwegnahme Vermeers galt, insbesondere wenn es um die Verwendung der Farbe Blau ging. In Sweerts Gemälden wurde die blaue Farbe eindeutig dafür verwendet, die spirituelle Wirkung seiner Werke zu verstärken – so auch in der vorliegenden Arbeit, bei der der blaue Farbton der Bluse den Ausdruck des konzentrierten Aktes des Lesens noch verstärkt. Auf dem Gemälde eines Jungen mit einem Turban, heute im Museo Thyssen Bornemisza, Madrid, kommt der Einsatz von Blau zu seinem Höhepunkt, da dieser nun einen großen Teil der bemalten Fläche mit einem insgesamt verfremdenden Effekt ausfüllt. (vgl. Kultzen, op.cit., Kat-Nr. 122).
Wir danken Marina Aarts für diesen Katalogeintrag.


Schätzung CHF 40'000.00 – 60'000.00

Schätzung EUR 36'360.00 – 54'550.00


Gebote unterhalb der unteren Schätzung werden nicht akzeptiert.

Schriftliche Gebote können per Post oder Fax (+41 43 399 70 11) oder per E-mail mittels gescanntem Bietformular eingereicht werden. Telefonisch übermittelte und per E-mail gesandte Gebote ohne Unterschrift müssen aus rechtlichen Gründen schriftlich bestätigt werden.

Gebote für die schriftliche Auktion (ab Kat. Nr. 5000) müssen bis spätestens am letzten Ausstellungstag (Freitag) um 18.00 Uhr bei uns eingetroffen sein.