Juni 2025 (A177) - Auktionsstart: 18.6.2025, 10:15
–Auktion abgeschlossen
3100. Süddeutschland oder Schweiz, um 1515-25
Hl. Sebastian. Flügel eines Retabels. Öl auf Holz. 142,7x35,7 cm. Gerahmt.
Mit einem Gutachten von Dr. Bernd Konrad, Reichenau (D), vom 9.5.2025, wofür wir ihm danken.
Dargestellt ist ein junger Mann in Ganzfigur vor einem an einer Querstange aufgehängtem gemusterten Teppich. Er ist bürgerlich in der Mode um 1500/20 gekleidet (Kuhmaulschuhe) und besitzt schulterlanges Haar. Die goldfarbene Scheibe hinter seinem Haupt weist ihn als Heiligen aus. Mit der linken Hand hält er einen Pfeil. Mit dem Gelenk der rechten Hand rafft er sein pelzgefüttertes Obergewand ein wenig in die Höhe.
Unterhalb, in einer abgetrennten Zone befindet sich ein bekleideter Putto in Schrittstellung, der im Begriff ist eine Armbrust zu spannen.
Daraus lässt sich zweifelsfrei schließen, dass es sich um den heiligen Sebastian handelt, wenngleich dieser weithin als halbentkleideter junger Mann bekannt ist, der an einem Baum gefesselt von Pfeilen durchbohrt wird. Doch auch die bildliche Präsentation des Heiligen vor dem Martyrium als bürgerlicher Typ kommt häufiger vor als gedacht.
Es muss davon ausgegangen werden, dass die Tafel der Flügel eines Triptychons gewesen ist. Dabei bildete die Sebastianseite die ehemalige Außenansicht, denn die Rückseite der Tafel weist eine Leerfläche auf, wo sich einst ein Figurenrelief befunden haben wird. Derartig aufwändiger ausgestattete Seiten bildeten immer die Innen- oder Festtags-ansicht. Dass es sich um den ehemaligen linken Flügel handelt, ist daraus zu folgern, weil im geschlossenen Zustand die Figur des Sebastian dann zu einem rechten Pendantflügel schaute und nicht aus dem Bild heraus. Auch der Putto orientiert sich zur Bildmitte hin.
Eine frühere, richtungweisende Provenienz oder Zuschreibung aus dem Kunsthandel ist nicht bekannt. Der Umstand der Präsentation einer Heiligenfigur vor einem Hängeteppich ist zu allgemein, als dass sie für eine bestimmte Region in Anspruch genommen werden kann. Es kann sowohl Süddeutschland als auch Österreich oder Schweiz sein. Vielleicht lässt sich sogar Basel in den Blick nehmen, wenn man Einzelheiten wie den blauen Hintergrund und das Gewand mit braunem Stoff und schwarzer Konturierung zum Vergleich heranzieht z. B. mit dem Knabenbildnis von Ambrosius Holbein. Auch gemaltes Rankenwerk, das die dargestellten Figuren überfängt, findet sich häufig in der Schweizerischen Tafel und Glasmalerei.
Schließlich ist gerade Basel mit den puttenüberladenen Holzschnitten bekannt, was zudem auch die Datierung ab 1515 nahelegt.
Die überraschende Kombination von Sebastian bei seinem bevorstehenden Martyrium durch Pfeile und einem Armbrust spannenden Putto lässt sich zumindest eine ähnliche Darstellung bei Lempertz 1964 an die Seite stellen. Diese Süddeutsche Tafel um 1500 zeigt ebenfalls einen Hl. Sebastian, neben dem Engelchen liegt ein Bogen. (cit. Gutachten Dr. Bernd)
Schätzung: CHF 1'200 – 1'800EUR 1'330 – 2'000
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