Juni 2025 (A177) - Auktionsstart: 18.6.2025, 10:15
–Auktion abgeschlossen
3103. Cornelis Cornelisz. Buys II
(Holland 1500–1545)
Hl. Matthäus (Altarflügel). Öl auf Holz. 71x36 cm. Gerahmt.
- Kleiner Farbverlust im Faltenkleid des Hl. Matthäus auf der Höhe seines linken Knies. Minimster punktförmiger Farbverlust an der Decke des Steinbogens im oberen linken Bereich der Tafel.
Provenienz:
- Dr. Alexander Friedrich Wilhelm Freiherr von Minutoli-Woldeck (1806-1887), Schloss Friedersdorf, Niederschlesien.
- Rudolph Lepke, Berlin, 4. April 1889, Galerie Minutoli vom Schlosse Friedersdorf, Niederschlesien, Los 34 (als Jan van Scorel, mit Vorderseite).
- Curt Benedict, Paris, 1937/8 (mit Vorderseite).
- Leopold Ruzicka, Zürich, 1940.
- Sotheby's, London, 11. April 1990, Los 11 (als Jan van Scorel).
- Privatsammlung, Schweiz.
Literatur:
- Thode, H., Die Gemäldesammlung des Freiherrn von Minutoli, in: Zeitschrift für bildende Kunst 21 (1886), S. 323-324, als Jan van Scorel zugeschrieben.
- Wescher, P., Jan Scorel und die beiden Cornelis Buys, der Ältere und der Jüngere, in: Oud Holland 61 (1946), S. 94, S. 91-92, Abb. 9 und 10, als Cornelis Buys der Jüngere.
Diese beeindruckende Tafel, deren Verbleib während mindestens drei Generationen unbekannt war, bildete einst die Rückseite eines doppelseitigen Flügels eines abgebauten Altarbildes, dessen Vorderseite Moses beim Aufschnüren seiner Sandalen zeigt, nachdem er das Rote Meer durchwatet hatte (https://rkd.nl/images/54601; derzeitiger Standort unbekannt).
Obwohl die beiden Tafeln des doppelseitigen Flügels schon geteilt waren, bevor sie in die Minutoli-Sammlung kamen, blieben sie dennoch zusammen, zumindest bis zum letzten bekannten Besitzer, dem Wissenschaftler und Nobelpreisträger Professor Leopold Ruzicka in Zürich. Ein Vermerk auf einer Fotografie bestätigt, dass Friedländer wahrscheinlich auf Empfehlung von Dr. Schneider die Tafeln 1940 in Zürich besichtigte.
Die Tatsache, dass die vorliegende Tafel erst jüngst wieder zum Vorschein gekommen ist, bestätigt, dass es sich hier um ein seltenes Beispiel nordniederländischer religiöser Malerei des 16. Jahrhunderts von hoher malerischer Qualität handelt, das vor dem Ikonoklasmus einzuordnen ist. Es besticht durch seine für die Renaissance typische Ausdrucksweise und verrät den Einfluss von Scorel, der dieses Idiom nach seiner Rückkehr aus Italien im Jahr 1524 einführte. Während Thode die Tafeln aufgrund des Einflusses von Michelangelos Formenauffassung versuchsweise Scorel zuschrieb und gleichzeitig einen harten, etwas metallischen Charakter feststellte, schlug Wersche als erster eine Zuschreibung an Cornelis Buys II vor, indem er ihn zu Recht als Sohn des Alkmaarer Malers Cornelis Buys I (Meister von Alkmaar) bezeichnete, ihn aber fälschlicherweise mit der Werkstatt von Jacob Cornelisz. in Amsterdam in Verbindung brachte.
Folgt man der Genealogie der Familien Buys und War, welche von B. Dudok van Heel veröffentlicht worden war (De Schilders Jacob Cornelisz. alias War en Cornelis Buys uit Oostzaan. Hun werkplaatsen in Amsterdam en Alkmaar, in: De Nederlandsche Leeuw, 2011, S. 49/79), wird deutlich, dass Cornelis Buys II. mit Cornelis Jacobsz Buys IV. (1490/5-1532), dem ältesten Sohn von Jacob Cornelisz. (1465/70 -1533) verwechselt wurde, von dem Archivrecherchen bestätigen, dass er eine zweite Werkstatt in Amsterdam neben der seines Vaters führte und auch ein ähnliches Werkstattzeichen benutzte; und auch, dass Cornelis Buys II ein Neffe von Jacob Cornelisz., bzw. ein Cousin von Cornelis Jacobsz. in Alkmaar war.
Infolgedessen mussten Gemälde wie «Rebekka und Elieser am Brunnen» (Fondation Martin Bodmer, Coligny; https://rkd.nl/images/4448) und «Jakob verlässt Laban» (Stedelijk Museum Alkmaar; https://rkd.nl/images/241688), die zuvor Cornelis Buys II zugeschrieben worden waren, neu dem Amsterdamer Maler Cornelis Jacobsz. Buys IV zugeschrieben werden, so dass das Werk von Buys II neu zu betrachten war. Zu den Gemälden, die jetzt als von der Hand von Cornelis Buys II. angesehen werden, gehören die «Beweinung» im Centraal Museum, das Porträt von möglicherweise Jeronimus Jansz. van der Nijenburgh im Stedelijk Museum Alkmaar (Dudok van Heel, S. 69, Abb. 26) und der «Salvator Mundi» im Prado (https://rkd.nl/images/26185). Vor allem die beiden letztgenannten Gemälde kommen in ihren starken Farbkontrasten und scharfen Konturen, in ihrer Architektur und Draperie sowie den Händen der vorliegenden Tafel stilistisch so nahe, dass man davon ausgehen kann, dass Cornelis Buys II. wahrscheinlich auch für die Matthäus-Tafel verantwortlich ist.
Dr. Alexander Freiherr von Minutoli Woldeck, der erste nachgewiesene Besitzer, ist vor allem als Initiator einer Ausstellung für angewandte Kunst im Jahr 1845 in Erinnerung geblieben, die zur Eröffnung des weltweit ersten Museums dieser Art führen sollte. Von Minutoli wollte das Handwerk und die Kunstfertigkeit durch den Aufbau von Vorbild Sammlungen fördern. Nach dem Verkauf derselben sammelte er weiterhin Gemälde für das Schloss in Friedersdorf. Thode beschreibt diese Sammlung als aus italienischer, spanischer, deutscher und niederländischer Kunst bestehend und erwähnt als einen der Höhepunkte das Bildnis der Leonore von Österreich, das früher als ein Werk von Clouet galt, heute indes Joos van Cleve zugeschrieben wird und sich im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet.
Schätzung: CHF 12'000 – 18'000EUR 13'330 – 20'000
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