Juni 2026 (A181) - Auktionsstart: 25.6.2026, 17:00

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Auktion abgeschlossen

1002. Lucas d.Ä. Cranach

Nur schriftliches oder online Bieten möglich.

(Kronach 1472–1553 Weimar)
und Werkstatt
Zwei Altartafeln: Hl. Sebastian und Hl. Rochus. Um 1520. Öl auf Holz. 24x21,2 cm. Gerahmt.
- Parkettiert. Firnis etwas vergilbt, feine Krakeluren. Hl. Rochus feiner Kratzer oben rechts, retuschierte Krakeluren unten rechts.

Mit einem ausführlichen Gutachten von Herrn Dr. Bernd Konrad, Insel Reichenau (D), 22. Februar 2026, wofür wir ihm danken.

Provenienz:
- Habsburger Besitz aus dem Schloss zu Ofen (Budapest), verzeichnet im «Wiener Inventar «H» von 1619.
- Sammlung Graf Andrassy, Budapest.
- Sammlung Colonel Grenfell, England.
- Fischer Luzern, 11.-15. November 1975, lot 1700 als Kreis des Wolfgang Huber (gemeint: Wolf Huber), Anf. 16. Jh.
- Kurt Meissner, Zürich, 1976.
- Sammlung Dr. Emil Kern (1914-2014), Agentenhaus, Horgen.

Die beiden Täfelchen waren Ansichtsseiten zweier separater Flügel eines kleinen Retabels, die eine lang zurückreichende Provenienz besitzen, denn sie sind als habsburgischer Besitz bereits 1619 in einem sogenannten Inventar H des Schlosses Ofen (alte Bezeichnung von Budapest) nachzuweisen. Wenngleich auch in diesem Inventar keine Masse angegeben sind, lassen weitere Umstände eine Identifizierung mit grösster Wahrscheinlichkeit zu. So geht aus diesem Inventar H hervor, dass die beiden Tafeln zu dieser Zeit noch ihre bemalten Rückseiten besessen haben, einmal den " Englischen Gruss", mithin die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel, und die "Opferung der heiligen drei Könige", was die heute verständlichere Anbetung der drei Könige/Weisen/Magier meint. Weiterhin ist die freilich wissenschaftlich damals noch nicht abgesicherte Zuweisung an "Lucas Kranich" (sic!) vorzufinden.
Diese beiden Darstellungen sind höchstwahrscheinlich trotz leicht abweichender Masse (22,5 x 26 cm) zu sehen in einer "Verkündigung", zuletzt bei Lempertz Köln (Auktion 1175) am 5. Juni 2021, Lot 2012 sowie in einer "Anbetung der Könige" in Privatbesitz Basel.
Beide Bilder waren 1976 auf der bedeutenden Ausstellung "Lucas Cranach: Gemälde-Zeichnungen-Druckgraphik" im Kunstmuseum Basel vertreten und zum ersten Mal, da aus verschiedenem Privatbesitz kommend, in einen Retabelzusammenhang gebracht (vgl. Ausst.-Kat Lucas Cranach: Gemälde-Zeichnungen-Druckgraphik. Basel Kunstmuseum 1976 (bearb. Dieter Koepplin und Tilman Falk). Bd. 2, S. 537f., Kat. 391 und 392 mit Abb. 285 und 286. Der Katalogautor Dieter Koepplin erwähnt in seiner Besprechung die Schnittkanten rechts und unten und erklärt damit einen ihm erscheinenden gewissen zu engen Bildausschnitt. Einen Zusammenhang mit den nicht ausgestellten Darstellungen von Rochus und Sebastian nannte er nicht, doch würde das die besagten Abweichungen im Format erklären.
Die beiden in Basel ausgestellten Gemälde wurden immer als Werke angesehen, die in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren um 1520 in Wittenberg entstanden sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Interpretation des Begriffes "Werkstatt" in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Während zu Zeiten der Ausstellung in Basel 1976 noch eine rigidere Abgrenzung von "Eigener Hand" und "Mitarbeiter" vollzogen worden ist, kam es ab den 1990er Jahren durch die systematische naturwissenschaftliche Werkuntersuchungen und auch auf Grund neuer soziologischer Erkenntnisse und Betrachtungsweisen von Werkstattorganisation und den daraus folgenden Herstellungsprozessen zu einer Neubewertung, die insbesondere bei Lucas Cranach d. Ä. die Anteile an einem Einzelwerk anders gewichten. So stellt Dr. Michael Hofbauer die beiden einstigen obengenannten Rückseiten in die oberste Corpuskategorie C1 ein. Dazu erklärte er: "Innerhalb der Zuschreibungskategorie "C1" werden alle Werke zusammengefasst, die entsprechend des Forschungsstandes zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als "mit großer Wahrscheinlichkeit" innerhalb der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. entstanden angesehen werden können (vgl. Michael Hofbauer, Corpus Cranach: Lucas Cranach I und Lucas Cranach II Verzeichnis der Gemalde unter Berucksichtigung von Werkstattumfeld und Epigonen, Heidelberg: arthistoricum.net, 2022, S. 6 und zu CC-BNT 080-001/2. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.721 (letzter Zugriff: 21.2.2026). Dazu zählen Werke, die sich nach Ansicht des Autors (Hofbauer - B.K.) stilistisch und phänomenologisch oder durch quellenkundliche Hinweise in das entsprechende Oeuvre eingliedern lassen können. Eine Unterscheidung einzelner Hände im Sinne einer Zuschreibung an den Meister selbst bzw. an identifizierbare Mitarbeiter steht der erkennbar arbeitsteiligen Werkstattpraxis entgegen und soll als kennerschaftliche Wertung unterbleiben."
Die beiden hier vorgestellten Flügelansichten kannte auch er nicht.
Auch Herr Dr. Bernd Konrad schliesst sich dieser Zuweisung an, denn an der künstlerischen Herkunft aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren besteht kein Zweifel.
Wir danken Herrn Dr. Konrad für diesen Katalogeintrag.

Schätzung: CHF 20'000 – 40'000EUR 22'730 – 45'450

Zuschlag: CHF 24'000

Condition Reports und Fotos auf Anfrage bis spätestens 24h vor Beginn der Auktion.

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